Die mit den Dingen spielen

Künstlerische Nachwuchs-Positionen standen am Mittwoch, den 9. Mai, beim 27. Figurentheaterfestival Homunculus (Hohenems/Österreich) auf dem Programm der Rudolf-von-Ems-Preisverleihung. Die Sieger sind Marius Alsleben und Arnaud Grandjean, zwei Studenten aus Stuttgart.

 

Drei Produktionen von Figurenspielern der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart ritterten um den mit 2.500 Euro dotierten Figurentheaterpreis der Stadt Hohenems. Das Stuttgarter Figurentheaterstudium steht für das Spiel mit Dingen – die Studenten setzen sich in Bezug zu Material, Objekten, Puppen und Körpern. Die drei Miniaturen des Hohenemser Theaterabends entstanden in Kooperation mit dem Studiengang Szenographie der Haute école des arts du Rhin Straßburg. Durch den Abend führte Intendantin Susi Claus aka Mrs. Kikki, die weise Bordkatze, eine Titanic-Überlebende.

 

Kunststoffkanister erinnern an Osterinsel-Skulpturen

Das Duo Marius Alsleben (Spiel) Arnaud Grandjean (Musik/Geräusche) gewann sowohl den von einer Fachjury wie einer Publikumsjury bewerteten Bewerb mit seiner Produktion „20 Liter“. Juroren waren Elisabeth Wolber (Puppenbühne Götzis), Theaterpädagogin Nina Fritsch und Kulturstadtrat Johannes Drexel. Das Spiel mit 35 blauen Kunststoffkanistern welche sich im Laufe des Stücks zu Gesichtern, Figuren, Treppen und Klangkörpern entwickeln, überzeugte neben einzelnen Juroren vor allem das Publikum. Das Publikumsvoting war auch das Zünglein an der Waage, um das nicht einstimmige Juryergebnis für den Gesamtpreis zu entscheiden.

 

Auseinandersetzung mit sich selbst

Das zweite Stück, Confetti, von Emilien Truche wurde im intimen Rahmen eines kleinen, verdunkelten Seminarraumes dargeboten. Ein Mann, der sich selbst in Form einer lebensecht wirkenden Puppe gegenübersitzt  – eine Performance über das Berühren und berührt werden – sich näherkommen und entfernen. Figurenspielerin Anne Brüssau brachte als dritten Bewerbs-Beitrag für die düster-anspruchsvolle Darbietung „In my Room!“. Ein dunkler Raum mit schwachem Licht – eine Figur, die ihre eigene Haut abschält, Enge und Angst. Seelenschwärze und am Schluss – Licht! Die eigensinnigen, anregenden künstlerischen Nachwuchs-Positionen mit großteils offenem Schluss begeisterten – alle drei Stücke ernteten viel Applaus.

 

Großzügige Geste begeisterte

Festivalpräsident Günter Bucher und Stadtrat Johannes Drexel überreichten den mit 2.500 Euro dotierten Haupt- sowie den mit 500 Euro ausgelobten Publikumspreis. Beide gingen offiziell an Marius Alsleben und Arnaud Grandjean. Die Gewinner erklärten sich auf der Bühne spontan bereit, das Preisgeld auf alle drei Nachwuchs-Compagnien aufzuteilen. Chapeau! Mit einer DJ-Party ging die lange Nacht der jungen Puppenspieler im Löwen-Foyer schließlich in den Morgen über.

 

Rudolf-von-Ems-Preis

Der Rudolf-von-Ems Kleinkunstpreis wurde 2008 das erste Mal im Rahmen des Figurentheaterfestivals Homunculus vergeben. Namensgeber ist der Epiker Rudolf von Ems 1200 bis 1254, der u.a. „Der gute Gerhart“ geschrieben sowie eine „Weltchronik“ (unvollendet) verfasst hat.

 

Eintrag vom 10. Mai 2018