Patrick Moor und Zita Bruckbauer vor den Computerbildschirmen

Blinde „surfen mit den Ohren“

Für mich ist es völlig normal, mich durch unzählige Bilder und Dokumente zu klicken, Webseiten zu durchforsten, Blogs und Hintergrundberichte zu lesen und vieles mehr. Das Thema „PC-Kurs für Blinde“ weckte daher rasch mein Interesse – so unvorstellbar erschien es mir, dass blinde Menschen teilweise von der Welt des Lesens und Surfens im Web abgeschnitten sein könnten.

 

Kinder lernen in der Schule

Junge blinde und sehbehinderte Menschen werden bereits in der Schule mithilfe verschiedener Hilfsmittel wie Brailletastatur und Sprachausgabe mit dem Computer in die Welt des Internets geführt. Was ist aber mit jenen, die zwischen 40 und 60 Jahren sind und noch nie mit dem Computer gearbeitet haben?

 

Fürs Lernen ist man nie zu alt…

Genau für diese Zielgruppe veranstaltete der Vorarlberger Blinden- und Sehbehindertenverband im Blindenheim Schwarzach Ingrüne einen dreimonatigen Computerkurs. 8 TeilnehmerInnen zwischen 45 und 65 Jahren wurden dabei von Coach und Trainer Patrick Moor in die Computerwelt eingeführt. Von den Bestandteilen eines PC’s über die Benutzung von Programmen, das Erstellen von Texten bis zum Surfen im Internet standen verschiedene Einheiten auf dem Programm.

 

Eine Welt erschließt sich

Stellvertretend für die Kursteilnehmer erklärten Zita Bruckbauer aus dem Silbertal und Herta Gächter aus Lustenau für die Generation 60+ begeistert: „Erstmals können wir unsere Korrespondenz via PC eigenständig erledigen, Nachrichten nachhören oder auf Wikipedia recherchieren. Die große Welt des Internets steht uns jetzt offen!“ Während Zita Bruckbauer sich das Braillealphabet auf die Tastatur geklebt hat, findet sich Herta Gächter, die einst als Sekretärin arbeitete, mit dem Zehnfingersystem und der Sprachausgabe zurecht.

 

Patrick Moor hat den Kurs in Kleingruppen und unter Zuhilfename von Gratissoftware durchgeführt. Der früher normal sehende Trainer wurde 2005 selbst sehbehindert und engagiert sich seither auch im Blindenschießsport. Er erläutert: „Mit Sprachübersetzung und Braillezeile können sich Sehbehinderte mit ein wenig Übung im Internet orientieren. Statt der Maus werden dazu die Pfeiltasten verwendet.

Der Computer „liest“ den jeweiligen Text am Bildschirm vor und „sagt“ auch die Logos und Frame-Bezeichnungen dazu. Via Köpfhörer oder Lautsprecher werden diese Informationen aufgenommen und ermöglichen damit die Orientierung im Web. Bilder selbst sind zwar – noch – nicht übersetzbar, aber sonst ist jede professionell und sogenannte „barrierefrei“ gestaltete Internetseite auch für Blinde und Sehbehinderte gut zugänglich.

 

Eintrag vom 6. Februar 2011