Achtung, Kundenabschreckung ohne Kalkül…

Wirtschaftskrise? Iwo, keine Spur mehr, sonst müsste man das doch am Bestreben, Kunden zu gewinnen statt zu vertreiben, merken?

 

Der Servicegedanke ist bei vielen Firmen implementiert, bei manchen noch nicht einmal ansatzweise angekommen. Firmenphilosophien, Strukturen, Budgets – all das wird wohl eine Rolle spielen.

 

Das Café, das beim ersten Anblick cool, beim zweiten Blick auf die zerfledderte Karte mit fehlenden Seiten schon weniger gewinnend wirkt… Der Besucher, der sich gerne eine Kleinigkeit bestellt hätte wird elegant davon abgehalten. Fehlendes Angebot, mündlich nicht ergänzt, die Tafel im schummrigen Licht wird erst beim Rausgehen bemerkt – Pech gehabt! Allerdings nicht der Kunde, sondern der Betreiber: Der Umsatz wäre ein weitaus größerer gewesen, bei a) intakter Karte b) aufmerksamer Servicekraft c) vernünftiger Anpreisung des Angebotes über dem Tresen.


Weiter geht’s zum Büromittelhändler. Die Scherben der vor über einem Jahr zerdepperten Glasbegrenzung liegen immer noch im von Laub und Dreck gesprenkelten Aufgang. Der notwendige Papierkorb wurde schon lange abmontiert. Schnellimbissverpackungen suhlen sich hier neben Papiertaschentüchern und ähnlich ungustiösem Zeug. Eine Verkäuferin drinnen in den Verkaufsräumen anzusprechen ist müßig. Gehetzter Blick, allein im Ladenlokal – Einräumerin, Beraterin und Kassierin in einer Person? So billig kann es hier gar nicht sein, dass es nicht eine alternative Einkaufsmöglichkeit dazu gäbe…


Das Mail an den Fachanbieter, bei dem man seine Bestellung aufgibt – es bleibt unbeantwortet. Bei telefonischer Nachfrage wird man weiter verwiesen – bitte noch eine Woche warten. Vorher kennt sich niemand aus…

 

Zum Wochenende im Lieblingscafé in einer großen Vorarlberger Stadt fällt wiederum auf: Der abgerissene Seifenspender ist zwar zwischenzeitlich montiert worden, doch der Papierbehälter hängt immer noch schadhaft und mit abgerissenen Kanten an der Wand. Der WC-Deckel lehnt am Boden, der Spiegel ist stumpf. In Wiener Studentenkneipen stört mich das nicht. Auch nicht am Prenzlauer Berg oder auf Raststätten. Es muss nirgends sein, aber in einem Café, in dem man die Geschäftsleitung schon öfter auf die Diskrepanz zwischen adrettem Gastraum und grindigen Toilettenanlagen hingewiesen hat, wundert das nur mehr. Schade. Hier kundenorientierter zu agieren wäre so einfach… und würde weder viel Zeit noch Geld kosten.

Eintrag vom 19. Januar 2011